KrippeNFAHRT 2018 nach Böhmen,

ins „land der Krippen“

vom 05.01.-06.01.2018.

Bei dieser Reise in unser Nachbarland Tschechien besichtigten wir eine Auswahl besonders wertvoller Krippen. „Weihnachtsgeschichte und Szenen aus dem Volksleben“ so könnte man das beschreiben was in den Krippen aus Böhmen zu sehen ist. Die Tschechische Republik zählt zu den „Weltmächten in Sachen Krippen“.

 

1562 stellten Jesuitenpater in Prag die erste Weihnachtskrippe nördlich der Alpen auf. Mit der figürlichen Darstellung der Heilsgeschichte versuchten sie den katholischen Glauben in die reformierten Gebiete Böhmens und Mährens zurückzubringen. Die Krippe war ein Missionsmittel um auch den ungebildeten Menschen Glaubensinhalte näher zu bringen.

Rasch verbreitete sich die Weihnachtskrippe im Prager Umland und wurde von den katholischen Ordensbrüdern in die Kirchen des Landes gebracht. Durch das Krippenverbot Ende des 18. Jahrhunderts (Joseph II.) entwickelte sich die Weihnachtskrippe zum festen Brauch der Bauern und Bürger. Besonders in den Haushalten der Vorgebirgsgebieten war das Aufstellen von selbstgebauten Krippen sehr verbreitet. Die Anfertigung von Krippen, egal ob aus Holz, Papier, Gips, Keramik oder Lebkuchen, wurde Tradition, die bis heute gepflegt wird.

 

In den Notzeiten der Weltkriege gab es ein besonderes Verbundenheitsgefühl zu Krippe. Ihr kam eine völkerverbindende und tröstende Funktion zu. Der Weihnachtskrippenbrauch brachte inmitten der Kriegswirren ein Stück Normalität in den Alltag der Menschen zurück.

Flucht und Vertreibung leiteten den Niedergang des böhmisch-mährischen Krippenbaus ein. Wenige Krippen fanden ihren Platz im Fluchtgepäck. Dennoch nahmen die "Mannlbauer" ihr Können und Wissen in die neue Heimat mit und schufen teilweise dort weiter Krippen.

 

Die Region der ehemals deutschen Gebiete Tschechiens waren besonders vielfältig in ihren Stilrichtungen, der Herstellung und den verwendeten Materialien. Anfangs noch klassisch aus Holz geschnitzt, verwendeten die Krippenhersteller bald auch Ton, Porzellan, Brotteig, Pappmaché als Werkstoffe. Bauern, Bergleute, Handwerker, vor allem Weber, entdeckten im "Mannlmachen" einen gewinnbringenden Nebenerwerb und brachten neue Einflüsse und Ideen in ihren Arbeiten ein. Die unterschiedlichsten Materialien zur Anfertigung der Figuren und zum Bau der Szenerie wurden aus der näheren Umgebung kostenlos oder zumindest günstig beschafft. Entweder sammelte man das was die Natur oder der eigene Haushalt hergab oder man bediente sich der Werkstoffe die das Handwerk und die Industrie verarbeiteten. Dazu gehörten Holz und Papier genauso wie Brotteig.

 

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts fand die Romantik Einzug in den Krippenbau, schwärmerisch heimatliche Landschaften wurden mit morgenländisch gekleideten Figuren besetzt.

Die Besinnung auf die tschechische Heimat brachte volkstümliche Krippen mit charakteristischer regionaler Tracht und Sitte; sie waren Ausdruck der regionalen Identität der Menschen.

Mit der Industrialisierung wurde Papier zur Massenware und zum beliebten Krippenbaustoff. Bilderbögen der einheimischen Verlage fanden als "Armeleutekrippe" Einzug in viele Wohnhäuser.

 

In der typisch tschechischen Weihnachtskrippe sind die Berge und Städte neben der Darstellung von Christi Geburt, der Heiligen Familie, den Engeln und Hirten mit Schafen sowie Szenen aus dem Alltagsleben nachgestellt. Die Menschen dieser Gegend, Landarbeiter und Stadtbewohner, Vertreter der unterschiedlichsten Berufsgruppe, zum Beispiel den Jäger mit geschultertem Gewehr  der Christus symbolisiert, der das Böse aus der Welt jagt; den Rauchfangkehrer mit Leiter, der als Bote des Übergangs, vom Irdischen zum Himmlischen gesehen wird; den Fischer mit Fisch; den Wilddieb, der sich ein Reh über den Arm gelegt hat; den Nachtwächter der ins Horn bläst; den Gastwirt, Bauern und Bäuerinnen, Mägde, Knechte und Kinder. Außerdem ist eine tschechische Weihnachtskrippe ohne Musikanten fast nicht vorstellbar. Zu guter Letzt auch Ziegen und Enten. Kurz und gut‒‒ das ganze Dorf und alles was zu ihm gehört, erweisen dem kleinen Messias ihre Ehre und sind Überbringer von Geschenken, wie beispielsweise Lamm, Mehl, Gans, Bierfass. Damit findet die Geburt Christi mitten in der Alltagswelt des Betrachters statt.

 

Ab dem 18. Jahrhundert entstanden große Krippenlandschaften, sogenannte Krippenberge, die ganze Zimmer einnahmen und die von Jahr zu Jahr reicher ausgestattet und vervollständigt wurden. Sie erzählen rund um die Weihnachtsgeschichte mit einer Fülle von Szenen vor bunter Stadtkulisse vom Alltagsleben, originalgetreu der böhmischen Heimat nachempfunden.

 

1. Tag Jindrichuv Hradec (Neuhaus)

Das Bezirksmuseum, das im Renaissancegebäude des ehemaligen Jesuitenseminars seinen Sitz hat, beherbergt die größte volkstümliche mechanische Weihnachtskrippe der Welt:

·         die Krippe ist 17 m lang, 2 m hoch, mit einer Fläche von 60 m²

·         sie enthält mehr als 1 398 Figuren von Menschen und Tieren, von denen 133 beweglich sind

·         die Tier- und Menschenfiguren sind etwa 16 cm groß, aus Holz, manche aus kaschiertem Stoff einem besonderen Gemisch aus Mehl, Sägespäne, Gips und Leim. Und das alles ist mit Kleisterfarbe bemalt

·         die ganze Landschaft, einschließlich der Felsen, sind aus Packpapier hergestellt, dann mit Staub aus Bleierz überzogen. Bei der Erzgrube sind sogar die Adern im Gestein nachgebildet

·         die Bewegungen gehen von einem einzigen Zentrum aus. An der Mechanik wurde im vergangenen Jahrhundert so gut wie nichts verändert. Nur einige der Stoffriemen und Lederbänder mussten ausgewechselt werden. Der Mechanismus besteht aus Federn, Drähten, Zahnrädchen, Riemen und sogenannten Endlosbändern, die über kleine Spulen geführt werden. Die Tierfiguren laufen auf Bändern befestigt über die Krippe. Zurück geht es dann kopfüber bis sie wieder richtig herum oben in der Krippe auftauchen. Und so läuft das immer im Kreis. Das sieht alles recht primitiv aus, ist aber absolut zweckmäßig konstruiert

·         der Sohn des Krippenbauers widmete 1936 die Weihnachtskrippe dem Museum

·         1936 wurde zu beiden Seiten Krippen der Gebrüder Steinocker aufgebaut und 1967 zu einem Komplex zusammengesetzt

·         der Handbetrieb wurde 1966 auf Strom umgestellt

·         1998 erfolgte die Eintragung ins Guinness-Buch der Rekorde, 80 Jahre nach dem Tod des Erbauers

 

Der Erbauer der Krippe war Tomáš Krýza, der als Meister der Strumpfstrickerzunft, im südböhmischen Städtchen Hradec, seine Familie ernährte. Die Krippe war ein riesiges Hobby, mit dem er sich 60 Jahre seines Lebens unablässig beschäftigte. Gebaut wurde aus dem, was gerade zur Hand war. Am Ende ist es ihm gelungen, die größte mechanische Weihnachtskrippe der Welt, im Format einer 2-Zimmer-Wohnung, zu bauen.

Der älteste Teil ist die Darstellung der biblischen Ereignisse, umringt von städtischer Architektur und ländlicher Umgebung. Drumherum ist im Laufe eines Lebens ein Gewimmel von Häusern, Palästen, Hütten und Tempeln entstanden. Hier schlägt ein Schmied sein Eisen, dort melkt ein Mädchen eine Kuh, zwei Ziegenböcke schlagen krachend ihre Hörner gegeneinander und Bergleute fördern das schwarze Gold ans Tageslicht. Mensch und Tier sind in diesem Krippenkosmos in geschäftiger Bewegung.

Mit seinem Weihnachtswunder hat Tomáš Krýza seiner Welt des 19. Jahrhunderts ein liebevolles Denkmal gesetzt.

 

2. Tag Karlštejn (Karlstein) und Kryštofovo Údolí (Christophsgrund)

Im privaten Weihnachtskrippenmuseum in Karlstein, untergebracht im barocken Pfarrhof aus dem 18. Jahrhundert, sind seit 1995 Krippen verschiedener Epochen zur Schau gestellt. Es ist die größte Krippensammlung der Tschechischen Republik.

Unter den ausgestellten Krippen befinden sich Raritäten wie Krippen Brot, Zucker oder Wachs. Einmalig sind auch die Miniaturkrippen in einer Kokosnuss-, Walnuss- oder sogar in einer Haselnussschale. Die Krippen, die bis 150 Jahre alt sind, haben einen großen historischen Wert. Das älteste Exponat zeigt das Christkind in einer ziemlich kompromittierenden Situation - während der Beschneidung.

Zu den wertvollsten Stücken zählt die mechanische Königskrippe, die ganze 80 m² beansprucht und seit 1998 im Dachgeschoß untergebracht ist. Die Krippe vereint in sich biblische und tschechisch-historische Elemente. Außer dem Riesenmodel der Burg Karlstein wird sie mit 46 Holzfiguren der böhmischen Geschichte geschmückt. Fast wird der Eindruck erweckt, als wäre Jesus am Fuße der Burg, in einer Höhle zur Welt gekommen und das auch nicht vor 2000 Jahren, sondern zur Zeit der Ritter. Mit Geschenken kommen alle Persönlichkeiten von Rang und Namen zu ihm und wurden verewigt. Dazu gehören unter anderem der Heilige Wenzel, Kaiser Karl IV., sein Hofmaler Meister Theoderich von Prag, Kaiserin Maria Theresia, Georg von Podiebrad (1458-1471 König von Böhmen und erster König in Europa der dem katholischen Glauben abschwor) sowie Tomáš Garrigue Masaryk (1918-1935, Mitbegründer und erster Präsident der Tschechoslowakei. Auch die Weiße Frau kommt um mit Wein anzustoßen; eine Hussitenhorde läuft zum Burgtor; selbst ein Ritterturnier ist im Gange; Bauern bereiten die Weinlese vor und am Bach wird Wäsche gewaschen. Die aus Holz geschnitzten Marionettenfiguren sind in zeitgemäßer Kleidung angezogen.

 

Im Dorf Christophsgrund in Nordböhmen, nicht weit vom Dreiländereck mit Polen und Deutschland entfernt, empfangen auf einem kleinen Parkplatz in der Mitte des Dorfes, Josef, Maria und das Christuskind in Lebensgröße den Besucher. Schöpfer dieser 16 m großen Krippe ist der tschechische Künstler Jozef Jira, Maler, Graphiker und Illustrator.

 

Schräg gegenüber, auf der anderen Straßenseite befindet sich ein altes Schulgebäude mit der Aufschrift "Gastwirtschaft Zum Christophorus", der späteren Verwendung.

Eine Holztreppe führt in das obere Stockwerk, wo sich zwei ehemalige Klassenzimmer befinden, die heute das Krippenmuseum beherbergen. Mehr als zwanzig Krippen sind hier aufgestellt große, kleine, statische oder mechanische, aus Papier, Pappmasche, Holz oder Zinn. Manche ähneln Landschaften von Modelleisenbahnen und füllen den halben Raum aus, andere sind gestaltet wie kleine Guckkästen, die einen fast intimen Blick mitten in das Geschehen der Heiligen Nacht gewähren.

Viele der Krippen, vor allem die großen, stammen noch aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, als sich in Christophsgrund über 96 Prozent der Bevölkerung zur deutschen Nationalität bekannten. Im 19. bis ins beginnende 20. Jahrhundert hinein fertigte man in Kryštofovo Údolí noch Krippen im so genannten Tiroler Stil an Berglandschaften mit Almen, Kühen und Waldarbeitern. Das älteste Exponat der Tiroler Krippen stammt von 1846 von Franz Pohl. Zu den interessantesten Ausstellungsstücken zählt auch die Weihnachtskrippe im orientalischen Stil des Bauern Müller; die vor dem Krieg noch 35 m² maß, allerdings nur noch ein Drittel erhalten blieb.

Eine weitere Besonderheit im Museum stellt die sogenannte Cikorka-Krippe aus der Zeit der ersten Tschechoslowakischen Republik dar. Cikorka war ein Ersatzkaffee. Wenn einem Kolonialwarenhändler dieser Ersatzkaffee geliefert wurde, fand er in der Kiste obenauf einen großen farbigen Bogen eine Papierkrippe mit Figuren zum Ausschneiden. Und wenn der Händler neue Kunden gewinnen wollte, so verschenkte er sie zu Werbezwecken.

Das Museum bot auch Sehenswertes rund um Weihnachten an, wie Christbaumständer, und Glasschmuck in den vielfältigsten Varianten, wie sie in Böhmen erzeugt wurden.

 

3. Tag Trebechovice (Hohenbruck)

Das Museum Betlém zählt mehr als vierhundert Exponate, gefertigt aus verschiedenen Werkstoffe, aus allen Gebieten der Tschechischen und Slowakischen Republik. Die wertvollste und meistbewunderte Weihnachtskrippe ist die mechanische Krippe der Kunstschnitzer Josef Probošt und Josef Kapucián und von Josef Friml der das feine mechanische System herstellte. Die Krippe samt Mechanik wurde vor mehr als einhundert Jahren, in mehr als vierzigjähriger Tätigkeit komplett aus Holz geschnitzt.

Die Krippenlänge beträgt 6,89 m, die Tiefe 1,89 m und die Höhe 2,35 m. Sie besteht aus etwa 2 000 geschnitzten Teilen, darunter sind 373 Figuren, von denen 51 verschiedene Arbeitsabläufe darstellen und 120 auf mechanischen Ketten bewegt werden. Der feine Antriebsmechanismus wurde ursprünglich mit einer Handkurbel in Bewegung gesetzt, ein kleiner Elektromotor ersetzt diese seit dem Jahr 1935.

Die Krippe zeigt die biblische Geschichte von der Geburt Christi bis zu seiner Auferstehung und Himmelfahrt. Um das Zentralmotiv Heilige Familie findet man auf sieben Ebenen Szenen aus dem Leben einfacher Leute, Bauern und Handwerker. Bei deren Darstellung waren den Schnitzern die Leute aus Hohenbruck und Umgebung Vorbild.

Vor die Krippe treten ein Knabe und ein Mädchen mit Zinnschüsseln in Händen ein taktvoller Hinweis für damalige Besucher, wohin sie das Geld zu legen hatten.

 

Im Jahre 1967 repräsentierte die Krippe die Tschechische Republik auf der Weltausstellung in Montreal. Seit 1972 hat die Krippe einen festen Platz im Museum.

Die Weihnachtskrippe wurde 1999, als die einzige Weihnachtskrippe in der Tschechischen Republik, zum sogenannten "Staatlichen Kulturdenkmal"

 

 

Mit diesem Besuch endete unsere Krippenreise. Wie bei den anderen Fahrten auch, war für die Krippenbauer Gelegenheit zum „Fachsimpeln“, zum Vergleichen und auch Anregungen für den Eigenbedarf zu holen. Für die mitfahrenden Laien war es ein wunderbarer Einblick in eine vergangene Zeit, die wieder in Erinnerung gerufen wird. Es war für mich eine große Freude dabei gewesen zu sein.

 

Unser Dank geht an Herrn Heinz Kanhäuser, für die Zusammenstellung der Reise und die erstklassige Reiseleitung.

 

DANKE LIEBER HEINZ, BIS ZUM NÄCHSTEN MAL!

 

(wird es eine Reise geben?!)

 

 

 

Ilse Krones

2016 ging die Krippenroas Ende Juni über Tirol nach Südtirol, ins Grödnertal und zu den Dolomiten.

Die Reisegesellschaft

Eine Krippe der Krippenherberge in Affenhausen bei Wildermieming.

Eine Krippe im Heide Museum.

Heide Krippenfiguren

Arntaler Brauchtumskrippe im Krippenmuseum Maranatha.